Schon seit gut einem Jahr steht das Buch „Die 4-Stunden-Woche“ in meinem Bücherschrank. Am letzten Wochenende habe ich es mir endlich vorgenommen und gelesen. Hier ist meine Rezension:
Das Buch
Timothy Ferriss veröffentlichte das Buch im Jahr 2007 in den U.S.A. In den Bestsellerlisten der New York Times, des Wall Street Journals und der Business Week kam es jeweils auf Platz #1. Es wurde inzwischen in 35 Sprachen übersetzt.
Der provokative Titel macht neugierig und es schwingt das Versprechen für eine immense Arbeitserleichterung bei vollem Lohnausgleich mit. Der Autor selbst sagt, dass jeder dieses Ziel erreichen kann und dass es einfach sei, deutlich weniger zu arbeiten und dabei nicht weniger zu verdienen. Sein Buch hebt sich damit wohltuend von den vielen Büchern ab, die Reichtum in kürzester Zeit verheißen. Sein Versprechen ist allerdings nicht minder utopisch. Das Ziel ist eine extreme Work-Life-Balance mit einer 4-Stunden-Woche. Seine Devise ist es, nicht unbedingt ein Millionär zu werden, sondern sich wie ein Millionär zu fühlen. Und dies erreiche man durch freie Zeit und Unabhängigkeit.
Der Autor
Timothy Ferriss studierte in Princeton Neurowissenschaften und Ostasienstudien und gründete danach einen Internetshop. Er entwickelte sich zum Workoholic, erlitt einen Burnout und machte sich auf eine Weltreise. Hier kam ihm auch die Idee zu diesem Buch.
Der Inhalt
Er hat ein System entwickelt, das er DEAL nennt: Definition, Elimination, Automation und Liberation.
D – Definition
Ferriss regt dazu an, seine Wünsche als Ziele zu formulieren und seien sie auch noch so unrealistisch. Dabei kann es um materielle Ziele gehen, aber auch um Erfahrungen, die man gerne machen möchte. Wichtig sei es, diese Ziele festzuhalten und sofort erste Schritte zur Umsetzung einzuleiten. Es werden einige Übungen dargestellt, die teilweise absurd anmuten. So wird z. B. vorgeschlagen, man solle sich in einer Starbucks Filiale flach auf den Rücken legen und die Reaktionen der Mitmenschen beobachten. Wenn man angesprochen wird, steht man einfach auf und geht weiter. Es gibt noch eine Reihe solcher Tipps. Es geht dabei immer um das Übertreten von Grenzen im Denken und im Handeln.
E – Eliminieren
In diesem Kapitel geht es darum, wie man seine Arbeit effektiv und effizient erledigt. Effizienz ergibt sich durch möglichst rationelle Erledigung einer Aufgabe. Eine nicht minder wichtige Komponente ist die Effektivität, die sich einstellt, wenn die richtigen und wichtigen Ziele verfolgt werden. Diese Gedanken sind keineswegs neu und dürften vielen Lesern bereits vertraut sein.
Ebenso ist die Darstellung des Pareto-Prinzips (auch als 80/20-Regel bekannt) keine neue Erkenntnis. Durch Eliminierung der Arbeit an den 80% der Kunden, die nur 20% des Umsatzes verursachen, wird Zeit frei.
Dem Parkinson‘schen Gesetz folgend steigt die Komplexität einer Aufgabe mit der für sie zur Verfügung stehenden Zeit an. Lassen Sie sich also einfach weniger Zeit für Routinetätigkeiten und setzen Sie sich auf eine Informationsdiät. E-Mails sollten Sie nur noch einmal in der Woche beantworten. Reduzieren Sie den Medienkonsum auf ein Minimum.
A – Automation
Spannender wird es in dem Kapitel über Automation. Angestellten und Unternehmern wird empfohlen, Routinetätigkeiten outzusourcen. Konkret werden einige Unternehmen aus Indien vorgestellt, die persönliche Assistenten über das Internet anbieten. Sie recherchieren im Internet, vereinbaren Termine oder übernehmen die Korrespondenz. Solange Sie mehr mit Ihrer Arbeit verdienen als die Assistenten kosten, rechnet sich das Geschäft und Sie gewinnen wertvolle Zeit.
L – Liberation
Der finale Schritt ist die Verwirklichung der unter „Definition“ gesteckten Ziele und die Befreiung aus Abhängigkeiten und Zwängen. Für Angestellte, die nicht in eine Selbstständigkeit wechseln wollen, empfiehlt Timothy Ferriss einen Telearbeitsvertrag mit dem Vorgesetzten zu schließen. Nun könne die Arbeit bequem von zu Hause erledigt werden und die Freizeit lasse sich immer weiter ausdehnen unter Anwendung der Elimination und Automation.
Meine Kritik
Der Titel des Buches ist sehr geschickt gewählt, allerdings werden nur wenige Leser diese Wunschvorstellung realisieren können. Nur in Ausnahmefällen mag es Einzelunternehmer oder Freelancer geben, die tatsächlich ein ausreichendes Einkommen in einer 4-Stunden-Woche erzielen können.
Für Angestellte in vielen Berufen bringen die Ratschläge wenig oder gar nichts. So kann ein Paketbote kaum die Häuser aus seinem Zustellbezirk eliminieren, bei denen er einen weiteren Anfahrtsweg hat. Ein Arzt wird nicht die Arbeit am Patienten nach Indien outsourcen können. Viele Arbeitgeber können sich auch in keinem Fall auf Telearbeit einlassen, wie z. B. Unternehmen der Gastronomie oder des Einzelhandels. Den Cocktail muss immer noch ein Mensch an den Tisch bringen.
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Wenn man einmal von diesen Schwächen des Buches absieht, dann bleiben ein eindringlicher Appell wieder zu träumen und aktiv zu werden, Dinge neu zu denken und die eigene Arbeitsweise zu ändern. Das Buch wirkt erfrischend und gibt Impulse für alle, die sich nicht mit dem Status Quo zufrieden geben wollen. Geheimnisse werden allerdings nicht verraten und bei manchen Ideen, wie z. B. dem Outsourcing von Tätigkeiten dürften arbeitsrechtliche Aspekte dagegen sprechen. Kein Arbeitgeber wird es gerne sehen, wenn Dritte aus Indien (ohne Wissen des Arbeitgebers) Zugang zu Firmeninternas erhalten.
Das Buch bietet keinesfalls ein Patentrezept für jeden Menschen. Manche Ratschläge sind allerdings in speziellen Berufsfeldern umsetzbar. Insbesondere Freiberufler und Unternehmer aus KMU könnten die eine oder andere Anregung erhalten. Arbeitnehmern bleibt nur die Option, ihre abhängige Beschäftigung aufzugeben und sich selbstständig zu machen, um dem Ziel einer 4-Stunden-Woche näher zu kommen. Aber auch Arbeitnehmer können von den Impulsen des Buches profitieren und sich aus eingefahrenen Denkmustern befreien. Das Buch „Die 4-Stunden-Woche“ ist auf dem deutschen Buchmarkt im Jahr 2008 erschienen und wird von Econ verlegt. |
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